Kompensation

Neue Räume für Fauna und Flora

Momentaufnahmen zeigen beispielhaft, wie es in den Kompensationsgebieten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein aussieht, nachdem die Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Die Bilder stammen von der  WSV-eigenen Drohne. Hiermit wird im Rahmen der Erfolgskontrolle in den Kompensationsgebieten beispielsweise der Vernässungsgrad der Flächen überprüft.

Aquatische Kompensationsmaßnahme Schwarztonnensander Nebenelbe

Strömungsrinne

In der Schwarztonnensander Nebenelbe schufen Bagger eine durchgängige Strömungsrinne. Damit werden bisher trocken fallende Gebiete wieder während des gesamten Tidezyklus überflutet. Die entstehenden hochwertigen Flachwasserbereiche werten das Biotyp insgesamt auf. Die Aufnahme von Ende September zeigt den Baggerbetrieb bei Niedrigwasser: Der Verlauf der künftigen Rinne ist gut erkennbar.

Uferschlenze: „Kinderstube“ für Fische

In Niedersachsen gestalteten beauftragte Baufirmen am südlichen Ufer der Schwarztonnensander Nebenelbe eine Bucht mit Anschluss an den Flachwasserbereich der Nebenelbe. Sie ist ca. 19.300 m² groß. Das entspricht knapp drei Fußballfeldern. Diese Uferschlenze ist so gestaltet, dass sie dauerhaft unter Tideeinfluss steht und nie gänzlich trocken fällt. So entsteht ein neuer Lebensraum insbesondere für Kleinorganismen im Wasser und Fische. Den entnommenen Boden (gut 50.000 m³) konnte der Deichverband Kehdingen-Oste für die Deichverstärkung in seinem Zuständigkeitsbereich nutzen.

 Übersicht über die Kompensationsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe

Kompensationsmaßnahme
 Schwarztonnensander Nebenelbe

***

Bericht an die EU 2020

Die Stellungnahme der EU-Kommission vom 06.12.2011 verpflichtet die deutschen Behörden (=Planfeststellungsbehörden) dazu, im Zusammenhang mit der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe alle zwei Jahre einen Bericht an die EU-Kommission anzufertigen. Berichtet wird über die Durchführung und Überwachung der Ausgleichs- und Kohärenzsicherungsmaßnahmen, die in den Planfeststellungsbeschlüssen definiert worden sind. Im Dezember 2020 wurde der 5. Bericht der Planfeststellungsbehörden an die EU-Kommission versendet.

  Bericht 2020 auf www.kuestendaten.de

Auch die Berichte aus den Jahren 2012, 2014, 2016 und 2018 stehen hier zur Verfügung.

Kompensationsmaßnahme Insel Schwarztonnensand

Auch auf der Insel Schwarztonnensand – deren Nordwestspitze im Hintergrund des Luftbildes der Uferschlenze erkennbar ist – fanden umfangreiche Arbeiten statt, um das Naturschutzgebiet weiter aufzuwerten. Die Luftbilder von Mitte Oktober 2020 zeigen die Situation nach Abschluss der Gestaltungsarbeiten.

Tide-Weiden-Auwald

Rechts im Bild sieht man die kleine Mulde, die bis auf Normalhöhennull ( NHN) vertieft wurde, so dass sie ständig mit Wasser gefüllt ist. Das schafft u.a. gute Lebensbedingungen für Röhrichte und feuchte Hochstaudenfluren, die wichtig für unterschiedliche Insekten und Vögel sind.

Links im Bild der bereits bestehende Tide-Auwald, dessen Entwicklung durch die reliefartige Gestaltung des Bereichs (kleinflächige tiefere Senken von 1,60 Meter über NHN sowie Erhebungen bis zu 3,00 Meter über NHN) befördert wird. Die Böschungen wurden flach gestaltet sowie Gehölzinseln aus Korb- und Silberweiden angepflanzt.

Offenbodenbereich und Dünenlandschaft

Die umgestaltete Südostspitze von Schwarztonnensand: Oben ist die 10 Hektar große Uferfläche mit Offenboden zu erkennen. Unter Offenboden versteht man nicht oder nur spärlich bewachsenen Boden. Durch Fräsen der Fläche wird der Boden in diesem Zustand gehalten. Diese Sandfläche ist ideal für Offenlandbrüter, wie z.B. Kiebitz, Austernfischer, Regenpfeifer und Seeschwalbe.

Die gebaggerten Böden aus den Mulden und dem Offenbodenbereich nutzte man, um eine Dünenlandschaft zu schaffen (unten im Bild). Die Dünen sollen sich langfristig zu  Graudünen entwickeln.

Kompensationsmaßnahme  Insel Schwarztonnensand

Kompensationsmaßnahmen Allwördener Außendeich-Mitte und -Süd

Die Bauarbeiten in den zwei Gebieten wurden bis Mitte November weitestgehend abgeschlossen. Restarbeiten erfolgen im nächsten Jahr. Die neu geschaffenen Prielsysteme und Tidetümpel sowie die aufgeweiteten Grüppen erhöhen den Tideeinfluss auf den Flächen.
Die Erfolgskontrolle beginnt ein Jahr nach Bauabnahme. In Allwörden ist für März 2022 die Aufnahme der Vernässung (Luftbilder) und die Revierkartierung von Wasservögeln (Avifauna) geplant. Im Mai und von Juli bis September 2022 wird die Vegetationsentwicklung überprüft und in den kommenden Jahren folgen weitere Untersuchungen (z. B. zur Fischfauna, Brut- und Schlupferfolg von Wiesenvögeln).

 Hier finden Sie einen Projektüberblick.


In der Bildmitte und rechts im Hintergrund gut erkennbar: drei der vier neu angelegten Tidetümpel im Kompensationsgebiet Allwördener Außendeich Mitte.

Kompensationsgebiete an der Stör

Auch in den sechs Maßnahmengebieten in Schleswig-Holstein an der Stör sind die baulichen Aktivitäten abgeschlossen – bis auf einige Restarbeiten auf der Fläche Siethfeld im nächsten Jahr. Alle Flächen erhielten einen besseren Tidezufluss, so dass in den Gebieten häufiger Wasser steht. In Bahrenfleth, Hodorf und Neuenkirchen entstanden durch entsprechende Ufergestaltung auch Bereiche, in denen der bedrohte Schierlings-Wasserfenchel wachsen kann. Er wurde in Bahrenfleth bereits angepflanzt, 2021 geschieht dies auch in Hodorf und Neuenkirchen. „Der Tisch ist gedeckt“ für die ungestörte Naturentwicklung: Pflanzen, Vögel und Fische werden die Nutznießer der neuen tidebeeinflussten Flächen sein.

Hier hat die Tide jetzt ungehinderten Zugang: Blick über die Stör auf die Fläche Bahrenfleth.

Auch in Hodorf ist der Tideeinfluss deutlich sichtbar: Durch die Öffnung im ehemaligen Sommerdeich (hinten im Bild) kann die Tide ungehindert einströmen.

In Wewelsfleth wurden im Nordosten, Westen und am Störufer die Wiesen vernässt und teilweise mit dauerhaften Flachwasserbereichen versehen. Im Südosten und im Zentrum entstanden Staupolder, die während des Winterhalbjahres mit Wasser aus der Stör befüllt und flächendeckend angestaut werden. Auf dem Foto gut erkennbar ist der durch Gräben begrenzte Staupolder Zentrum (Süd) in der rechten oberen Bildhälfte.

Dezember 2020

Ausführliche Darstellung der einzelnen Maßnahmen:

 Kellinghusen, Siethfeld, Bahrenfleth

 Hodorf

 Neuenkirchen

 Wewelsfleth

Kellinghusen: Oben wurde der Sommerdeich punktuell geöffnet, rechts auf 45 Meter zurückgebaut (entfernt), um den Tideeinfluss zu vergrößern.

Der Durchlass im Sommerdeich verbessert das Einströmen der Tide auf die Fläche in Neuenkirchen.

Zurück