Kompensation Wewelsfleth

Ab jetzt mehr Platz für Brut- und Rastvögel

Wewelsfleth an der Stör gehört zu den Orten, die für den ökologischen Ausgleich der Strombaumaßnahme Fahrrinnenanpassung ausgewählt wurden. Hier wird, in enger natürlicher Verbindung mit der Elbe und ihren Uferzonen, ein neues wertvolles Biotop entstehen. Es dient langfristig der ökologischen Vielfalt und dem Erhalt typischer Arten im Lebensraum Elbmarschen. Die Bauarbeiten auf der Kompensationsfläche werden im Frühjahr 2020 abgeschlossen.

Bei der ausgewählten Fläche handelt es sich um mehrere Polder an der Stör, die derzeit durch Verwallungen (ehemalige Sommerdeiche) und den Mitteldeich eingefasst sind. Das Gebiet umfasst rund 50 Hektar und wurde bislang als Viehweide und zur Heuernte genutzt.

Das Konzept der ökologischen Aufwertung

Im Gebiet wurden jetzt mehr Feuchtwiesen und Wasserflächen geschaffen. So entstehen Lebensräume, die besonders wertvoll sind für die Tier- und Pflanzenwelt (Fauna und Flora) der Elbmarschen, vor allem für die gebietstypischen Vogelarten.

Da die Flächen nur extensiv beweidet werden, können sie sich ungestört entwickeln (Sukzession). Umfang und Zeiträume der Heumahd werden ebenfalls eingegrenzt.

Die vorbereitete Fläche im Oktober 2019...

... und vor Beginn der Arbeiten (Blickrichtung Südwesten). Fotos: Jung & Rathjen i. A. des WSA Hamburg.

Die Baumaßnahmen im Detail

Die Planung teilte das Gebiet in Teilflächen auf, um je nach Lage und Geländebeschaffenheit unterschiedliche Aufwertungsstrategien entwickeln zu können.

Im Nordosten, Westen und am Störufer wurden die Wiesen vernässt und teilweise mit dauerhaften Flachwasserbereichen versehen. Dies geschah durch den Rückbau des bisherigen Entwässerungssystems in diesen Gebieten, durch Aufweitung bestehender Gräben sowie die Anlage von Blänken (das sind große Pfützen/ kleine Tümpel, die jahreszeitlich oder dauerhaft Wasser halten und auf tiefliegendem Marschland auch natürlich vorkommen).

Im Südosten und im Zentrum entstanden Staupolder, die während des Winterhalbjahres mit Wasser aus der Stör befüllt und flächendeckend angestaut werden. Hier wurden die bereits bestehenden Randverwallungen genutzt und bei Bedarf ergänzt. Das eingelassene Wasser verteilt sich langsam über die ebenfalls bereits vorhandenen Grüppen (Versickerungsrinnen) und Gräben. Die Regulierung und das Entleeren der Polderflächen besorgen Auslassbauwerke (Handbetrieb).

Insgesamt ist hier Raum entstanden für sehr vielfältige, nach Wasserstand und Zeitdauer der Vernässungen und Flutungen unterschiedliche Biotope, die wiederum einem sehr breiten Spektrum von Pflanzen und Lebewesen als Standort dienen können. Durch ihre Gestaltung werden sich die Wewelsflether Flächen insbesondere Wiesenvögeln als Brutgebiet und Zugvögeln als Raststätte anbieten. Der Bruterfolg der Wiesenvögel soll durch niedrige Vegetation im Winter und zu Beginn der Brutzeit, eine aufgeweichte Vegetationsdecke und Böden für gute Stochermöglichkeiten sowie ausreichend Nahrung verbessert werden. Auch für die Zugvögel sind verbesserte Äsungs- und Rastmöglichkeiten durch die flächigen Überstauungen zu erwarten.

 

Technische Bauwerke

Um die Wasserströme auf den Flächen mit dem größtmöglichen ökologischen Nutzen steuern zu können, war der Bau einiger technischer Einrichtungen erforderlich. Dazu gehörten neben den genannten Auslassbauwerken vor allem drei Windpumpen. Sie sind eine Besonderheit der Wewelsflether Kompensationsfläche im Unterschied zu den anderen Kompensationsstandorten der Fahrinnenanpassung, die sich ansonsten in den wesentlichen Merkmalen gleichen.

Die Windpumpen sind an den Staupoldern eingesetzt. Hier reicht der Tidehub zum Einfließen des Störwassers allein nicht aus, es muss auf das höchste Niveau des Polders gehoben werden, um dann weiterfließen zu können.

Das weitere Vorgehen

Nach Abschluss der Bauarbeiten besteht die Aufgabe darin, beständig zu prüfen, ob die erdbaulichen Maßnahmen und technischen Anlagen die erwünschten natürlichen Prozesse tatsächlich einleiten und dauerhaft stützen.

Hierfür gibt es das Instrument der Erfolgskontrolle. Sie beginnt in Wewelsfleth im Mai 2020. In festgelegten Abständen wird untersucht werden, ob und in welchem Umfang die durchgeführten Maßnahmen erfolgreich waren, d. h. ob die in der landschaftspflegerischen Begleitplanung und Ausführungsplanung formulierten Ziele zu einem hohen Grad erreicht worden sind (Soll-Ist-Vergleich).

Inhalt und Umfang der Prüfungen sind im Erfolgskontrollenkonzept niedergeschrieben – in enger Abstimmung mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) und dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND).

Januar 2020

Das Kompensationsgebiet ist aufgeteilt in verschiedene Teilflächen.

Pflanzenbestand

Die Flächen wiesen traditionell einen sehr geringen Bestand an Büschen und Bäumen auf (s. Foto oben), er beschränkte sich auf Randbereiche der größeren Gräben. Dieser Bestand wurde entfernt, um einen für Wiesenvögel attraktiven Lebensraum zu schaffen. Wo größere Erdbewegungen vorgenommen wurden, z.B. zur Anlage neuer Deichabschnitte, zur Verstärkung des Deichfußes, bei der Aufweitung von Grüppen und Gräben, wurden den ökologischen Zielsetzungen entsprechende Saatmischungen ausgebracht.

Nebeneffekt Hochwasserschutz

Den drei Staupoldern (Zentrum Nord, Zentrum Süd und Südost) kommt neben ihrer ökologischen Funktion auch Bedeutung für den Hochwasserschutz zu. Sie bieten jetzt neue Volumina, um bei Störhochwasser Wassermengen abzuleiten und die Stördeiche zu entlasten.

Informationen über weitere Kompensationsmaßnahmen

 Neuenkirchen

 Hodorf

 Insel Schwarztonnensand

 

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