Kompensation Allwörden

Biotopaufwertung vor dem Deich

In den beiden Kompensationsgebieten Allwördener Außendeich-Mitte und -Süd entwickelt die  WSV auf ca. 160 Hektar tideabhängige ästuartypische Lebensräume für  Fauna und Flora  – als ökologischen Ausgleich der Strombaumaßnahme Fahrrinnenanpassung.

Die Flächen liegen im Naturschutzgebiet Elbe und Inseln, sind als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen und gehören zum FFH-Gebiet Unterelbe. Geschützt sind sie auch als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung.

Die vorbereitenden Arbeiten auf den Flächen bestehen aus Mähen, Fräsen und Abtragen des Oberbodens (15 cm). Anschließend wird durch Veränderungen im Entwässerungssystem der Umfang vernässter oder tidebeeinflusster Bereiche vergrößert. Nach Abschluss der Arbeiten werden einige Flächen mit regionaltypischer Gräsermischung angesät.

Um dem Vogelschutz gerecht zu werden und mit Rücksicht auf die generellen Witterungsbedingungen finden die Bauarbeiten in beiden Gebieten innerhalb eines begrenzten Zeitraums statt: Vom 1.7. bis 30.9.2020 (Allwördener Außendeich-Süd) bzw. bis 31.10.2020 (Allwördener Außendeich-Mitte). Die exakten Termine zum Beginn und Ende der Baumaßnahmen werden eng mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Stade sowie dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) abgestimmt.

Die ökologischen Ziele

Auf beiden Flächen geht es um die Verbesserung  ästuartypischer Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Dies wertet auch den Gesamtlebensraumtyp Elbeästuar mit allen Wechselwirkungen seiner Elemente auf. Um das zu erreichen, wird der Tide mehr Einfluss gegeben. So finden Wat- und Wasservögel bessere Rast- und Brutbedingungen. Auch das artenreiche feuchte und wechselfeuchte Marschgrünland kann sich so leichter entwickeln. Integraler Bestandteil des Konzepts ist die mit den Naturschutzbehörden vereinbarte und bereits umgesetzte extensive Gründlandbewirtschaftung einschließlich Beweidung.

Kompensationsgebiet Allwördener Außendeich-Mitte

Fläche: 121,4 ha

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Kompensationsgebiet Allwördener Außendeich-Süd

Flächengröße: 38,7 ha

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Wie gestaltet die WSV die Fläche Allwördener Außendeich-Mitte?

So entsteht das abwechslungsreiche Tide-Biotop: Ein neues Prielsystem wird gestaltet. Tidetümpel bilden attraktive Wasserflächen mit großem Einfluss der Gezeiten, Kleingewässer in den höher gelegenen Flächen dagegen Lebensraum mit geringerer Tidewirkung. Ganz sich selbst überlassen (natürliche Sukzession) wird ein Streifen entlang der Elbe.

Die einzelnen Arbeitsschritte

  • Zwei Prieläste ergänzen den vorhandenen Marschpriel zu einem Prielsystem, das auf die ganze Fläche wirkt.
  • Um der Tide mehr Raum zu geben, werden einige Gräben aufgeweitet, vertieft und Grüppen an sie angeschlossen, andere Gräben dagegen nicht mehr unterhalten oder abgedämmt.
  • Sechs Kleingewässer mit jeweils mehr als 25 m² Wasserfläche und vier Tidetümpel entstehen.
  • Uferbefestigungen aus lose geschütteten Ziegel- und Betonsteinen werden entfernt.
  • Neue Grabenüberfahrten, die Erhöhung der vorhandenen Triftwege und der Ersatz einer Brücke im Süden stellen die Bewirtschaftung der Fläche und Fluchtwege für das Vieh bei Hochwasser sicher.

    An zwei Stellen werden die Grabenüberfahrten so gestaltet, dass Graben bzw. Priel ungehindert darunter hindurch fließen können. Bei diesen Durchlässen besteht die Tunnelöffnung aus Wellstahl.

Der Blick Richtung Nordosten zeigt, wo die neuen Prieläste (vorne rechts) bzw. die aufgeweiteten Grüppen (links) entstehen werden. Im Hintergrund die Elbe (Foto: Jung & Rathjen).

Natürliche Sukzession: Auf dem Uferstreifen zur Elbe hin kann sich die Natur zukünftig ungestört entwickeln (Foto: Jung & Rathjen).

Was passiert auf der Fläche Allwördener Außendeich-Süd?

Um einen stärkeren Tideeinfluss in die Fläche zu lenken, lässt die WSV den Deichdurchlass im Süden zurückbauen und den Sommerdeich im Osten öffnen. Ein hier außendeichs liegender Priel verbindet sich so mit den Gräben im Gebiet. Die Prielstruktur wird ausgebaut. Dafür werden Gräben aufgeweitet, vertieft und abschnittsweise Verbindungsgräben geschaffen. Vorhandene Grüppen erhalten einen Anschluss an das Prielsystem. Die Vernässung des Grünlands wird unterstützt durch Abdämmung einiger Gräben und dadurch, dass Gräben bzw. Grabenabschnitte aus der Unterhaltung genommen werden.

Juli 2020

Die einzelnen Arbeitsschritte

  • Der Sommerdeich wird dem Tideeinfluss teilweise geöffnet (Prielsohlenbreite 5 m, Gesamtbreite auf Höhe MThW ca. 17 m).
  • Das vorhandene Deichsiel im Süden wird rückgebaut.
  • Zwei neue Priele mit Seitenarmen entstehen durch Aufweiten und Vertiefen vorhandener Gräben.
  • Abschnittsweise werden neue Verbindungsgräben erstellt.
  • Vorhandene Grüppen werden z.T. verrohrt, andere abgedämmt.
  • Neue Grabenüberfahrten (DN 500 bzw. DN 800) stellen die Bewirtschaftung der Fläche bei Hochwasser sicher.
  • Die beiden vorhandenen Wege bleiben bestehen als Verbindung zu den außerhalb des Sommerdeichs (und außerhalb des Maßnahmengebiets) liegenden Flächen und als Fluchtweg für Vieh bei Hochwasser. Sie werden mit Aushubmaterial erhöht.

Systemskizze der Sommerdeichöffnung

Blick über die Kompensationsfläche Richtung Osten im Juli 2020: Vorn wird der neue Priel mit seinen Verzweigungen entstehen, im Hintergrund ist die Elbe zu erkennen (Foto: Jung & Rathjen).

Der Blick nach Süden zeigt im Bildzentrum das rückzubauende Deichsiel. Im Hintergrund die Wischhafener Süderelbe mit dem Anleger der Fähre Glückstadt–Wischhafen (Foto: Jung & Rathjen).

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