Kellinghusen, Siethfeld, Bahrenfleth

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen an der Stör

Die derzeit in Bau befindliche Fahrrinnenanpassung ist ein Eingriff in die bestehende Seeschifffahrtsstraße Elbe und in die natürlichen Gegebenheiten und Prozesse des Elbegewässers. Hierbei sind unvermeidbare Beeinträchtigungen der Umwelt zu kompensieren. Entsprechende Kompensationsmaßnahmen sind im  Landschaftspflegerischen Begleitplan und seinen Ergänzungen beschrieben.

Hierzu gehören Maßnahmen im Flussgebiet der Stör, die von Mitte Juli bis Ende September 2020 realisiert werden. Das übergreifende Ziel der Projekte ist der Ersatz der von der Elbvertiefung beeinträchtigten Lebensräume durch ökologische Verbesserungen am Störlauf, der ebenfalls zum Ökosystem Elbeästuar gehört.

Im Einzelnen zielen die Maßnahmen darauf ab, durch Deichöffnungen bei Sommerdeichen mehr Landflächen dem Tideeinfluss zur Verfügung zu stellen. So können sich naturnahe Priele und Wattflächen sowie Röhrichte und Gebiete mit schilfartigen Pflanzen in den Uferbereichen entwickeln. Die Maßnahmen stärken die Tide-typische Flora und Fauna eines Flussmündungsgebietes. Weitere Ziele können hinzukommen, z. B. oberhalb der Linie des mittleren Tidehochwassers artenreiches Grünland als nahrungsreiche Brut- und Rastgebiete für Vögel zu schaffen. Im Maßnahmengebiet Bahrenfleth herrschen ideale Bedingungen für die Ansiedlung von Schierlings-Wasserfenchel. Die vom Aussterben bedrohte Art soll dort 2021 angepflanzt werden.

Die Bauarbeiten werden außerhalb der Brutperiode der Vögel (15. März bis 15. Juli) und der Wander- und Laichzeit der Neunaugenarten vollzogen (Wanderzeit im Frühjahr und Herbst, Laichzeit je nach Art bis maximal Mitte Juli). Je nach Witterung und Verlauf des Brutgeschehens ist aber auch eine Verschiebung des Baubeginns möglich. Wegen im Gebiet rastender Zugvögel und wegen der herbstlichen Hochwasserperiode endet die mögliche Bauzeit Ende September. In Siethfeld werden die Arbeiten in diesem Zeitraum des Folgejahres abgeschlossen. Die genauen Bauzeiten werden durch die Umweltbaubegleitung in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg festgelegt. Die Bauarbeiten können somit nur während der Sommermonate Juli, August und September durchgeführt werden.

Bei den Arbeiten am Störufer ist zu berücksichtigen, dass die Neunaugenarten auch Steinschüttungen für die Laichablage nutzen. Um ein Zerstören von Laichgruben auszuschließen, wird vor Beginn der Baumaßnahme bzw. vor Einsatz von Baumaschinen im Böschungsbereich der Stör eine Prüfung der Bereiche auf das Vorhandensein von Neunaugen-Querdern (Larven) durch der Umweltbaubegleitung durchgeführt. Sollten Laichgruben/Querder vorhanden sein, ist das weitere Vorgehen (Vergrämung, Fang/Verbringung, zeitliche Verschiebung der Inanspruchnahme o.ä.) mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen.

Die Arbeitsschritte im Detail

Auf den Flächen wird die vorhandene Vegetation gemäht und der Oberboden in einer Stärke von ca. 15 cm abgeschoben. Anschließend wird die Fläche in ihrem Höhen- und Tiefenprofil neu gestaltet und die Sommerdeiche mit Öffnungen zur Stör versehen. Es entstehen dabei, unter Berücksichtigung der topographischen Möglichkeiten des Geländes und der Erfordernisse des Hochwasserschutzes für die benachbarten Nutzungen, neue Wasser- und Landflächen, Priele und Grabensysteme (s.u. die einzelnen Gebietsplanungen).

In Abhängigkeit vom Baufortschritt wird der abgeschobene Oberboden wieder auf die Landflächen aufgebracht und erhält eine Aussaat mit gebietstypischem regionalem Saatgut.

Die Flächen gehören der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Maßnahme Kellinghusen

 

Hier geht es um eine Polderfläche an der Stör, die derzeit z.T. durch einen Sommerdeich und den Mitteldeich eingefasst ist. Sie hat eine Größe von ca. 17 Hektar. An zwei Abschnitten von 45 bzw. 75 Metern Länge wird der Sommerdeich rückgebaut, an drei weiteren Stellen erhält er punktuelle Öffnungen an Endpunkten vorhandener Entwässerungsgräben.
An einer Stelle wird ein Wall zur Eingrenzung des Hochwassereinflusses erstellt.

Blick Richtung Norden im Juli 2020 – im Vordergrund der rückgebaute Sommerdeich (Foto: Jung & Rathjen).

Auch in der Poldermitte wurde der Sommerdeich entfernt (Foto: Jung & Rathjen).

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Maßnahme Siethfeld

Die Maßnahmenfläche hat eine Größe von ca. 37 ha. Hier wird der Sommerdeich an fünf Stellen geöffnet, vier davon zur Stör hin, eine zum benachbarten Flurstück im Osten. Zur Aufrechterhaltung der Deichsicherheit und um Vernässung im Hinterland zu vermeiden, sind zudem Sicherungsmaßnahmen entlang des Mitteldeiches (Geländeaufhöhung und Verstärkung des Deichfußes binnen- und außendeichs) sowie die Herstellung neuer Entwässerungsgräben und Dränagen zum nördlich gelegenen Vorfluter vorgesehen.

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Maßnahme Bahrenfleth

 

August 2020

In Bahrenfleth wird eine Fläche von 5,8 ha dem Tideeinfluss geöffnet. Dies geschieht durch Öffnung des Sommerdeiches im Bereich der heutigen Verrohrung. Neue Priele werden durch die Aufweitung und Vertiefung von vorhandenen Gräben und Grüppen entwickelt. Zum Schutz der angrenzenden Flächen wird im Westen ein neuer Sommerdeich hergestellt. Das Gelände entlang des vorhandenen Deichfußgrabens am Mitteldeich wird aufgehöht. Darüber hinaus ist die Ansaat von Schierlings-Wasserfenchel im Bereich der neuen Prielböschungen und Grüppenkuppen vorgesehen. Sie werden den Lebensbedingungen dieser Pflanze entsprechend flach profiliert und bis knapp unter die Linie des mittleren Tidehochwassers aufgehöht.

Blick über die vorbereitete Fläche Richtung Norden im Juli 2020.

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