Baumaßnahmen

Schiffswrack entdeckt und geborgen

Bei den Baggerarbeiten „aufgetaucht“: Das Wrack des Festmacherbootes HIEV IN.

Im Herbst 2019 stieß das im Rahmen der Fahrrinnenanpassung beauftragte Baggerunternehmen am nördlichen Rand der Fahrrinne auf ein Schiffswrack. Der Fundort lag auf Höhe des Hochufers bei Wedel . Es handelte sich um das Hamburger Festmacherboot HIEV IN (Hochdeutsch: Hol’ rein). Festmacherboote helfen größeren Schiffen beim Anlegen und Festmachen, indem sie deren armdicke Trossen an der Bordwand übernehmen, zur Kaikante bringen und dort an Pollern belegen. Der Schiffsführer kann dann mit eigener Kraft und mit Hilfe der Trossenwinden an Bord das Anlegemanöver kontrolliert und sicher steuern.

HIEV IN wurde 1958 auf der traditionsreichen Hamburger Werft von Albert Bonné (später Zehbe-Werft) in Wilhelmburg am Vogelhüttendeich gebaut. Dort hatte man sich nach der Währungsreform mit dem Hamburger Festmacherbetrieb Max Meyn und anderen durch den Bau von schweren Festmacherbooten einen guten Namen gemacht.

Das Boot ist 7,8m lang, 2,5m breit und war bei kompletter Ausrüstung fast 8 Tonnen schwer. Aufgrund seiner Rumpfform und Konstruktion konnte es auch im Winter bei Eisgang eingesetzt werden und hat so wertvolle Dienste im Hafen verrichtet.

Der erste Motor von HIEV IN hatte 38 PS. Er wurde später durch einen rund 70 PS starken Hanomag-Motor ersetzt, einen Typ, der auch in Traktoren und Raupenschleppern seinen Dienst versah. Reste des Motors wurden im Wrack gefunden.

Bis heute sind zwei Festmacherboote von Albert Bonné „im Einsatz“: SMIET LOS und STEK UT werden von engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern im Museumshafen Oevelgönne gepflegt und betrieben. Jedes Jahr zum Hafengeburtstag wird vom Museumshafen ein Schaufahren der Boote vor den Landungsbrücken organisiert.

Wie und wo genau HIEV IN verunglückte, ließ sich bisher nicht nachvollziehen. Der Hafenkenner Till Braun vermutet ein „Vollaufen“ des Bootes bei Schlechtwetter und seine Aufgabe in Ufernähe. Die Besatzung konnte sich retten. Das Boot war auf dem Weg zu einem Einsatz in Stade-Bützfleth. Für den Zeitpunkt der Havarie gibt es ein Fenster: Es beginnt mit der Indienststellung (1958) und endet mit der Vergabe des Namens HIEV IN an einen Neubau (1964).

Der Beruf des Festmachers gilt bis heute als einer der gefährlichsten Berufe im Hafen. Noch immer bergen das Handling der schweren Trossen und der Wassersog im Schraubenbereich erhebliche Risiken.

Mai 2021

Im Rahmen der Fahrrinnenanpassung nach mehr als 50 Jahren wieder „aufgetaucht“ – das stark zerstörte Wrack von HIEV IN.

Trotz des langen Aufenthalts am Elbegrund noch lesbar: Der Schiffsname.

Weitere Informationen zur Festmacherei gewünscht? Dann lohnt ein Besuch auf der Website der Familie/ des Werftbetriebs Zehbe.

Die Schwesterschiffe STEK UT (hier im Bild) und SMIET LOS liegen im Museumshafen Oevelgönne.

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